Chronik
Die Chronik der Gemeinde Midlum
Das heutige Midlum bestand wahrscheinlich schon zu heidnischen Zeiten als namenlose Siedlung, also noch bevor das Christentum seinen Einzug hielt, vermutlich um das Jahr 900. Diese Annahme wird erhärtet durch die Eintragung im Kirchenbuch von St. Johannis vom 04. Mai 1826, wonach zur dankbaren Erinnerung an die Einführung des Christentums vor 1000 Jahren ein Dankgottesdienst stattfand. Die Ansiedlung soll nur aus wenigen Häusern bestanden haben, die jedoch bei einer schweren Sturmflut vernichtet worden sind. Man baute die Siedlung in Form eines Haufendorfes wieder auf und zwar am unteren Geestrücken. Damals war Föhr eine kleine Insel; das Festland soll sich bis Hilligenland, dem heutigen Helgoland, erstreckt haben und war nur von unzähligen Prielen und Wasserläufen durchzogen. Man nannte dieses Gebiet auch „Halbinsel Westland". Bis zur großen Sturmflut des Jahres 1362 waren die heutigen Inseln Föhr, Amrum und Sylt nur durch Priele voneinander getrennt (vgl. die Chronik des Jahres 1362). Die Vorgeschichte unseres Dorfes und damit die Bestimmung seines Alters wird interessant durch die Feststellung, daß die Gründung der Siedlung höchstwahrscheinlich auf die Existenz einer Klosterkapelle zurückzuführen ist. So kann auch der Name „Kabelackerum", welcher der Flur westlich der heutigen Landstraße zwischen Oevenum und Midlum beigelegt wird, aus .Kapellenacker" entstanden sein. Über den Standort dieser Klosterkapelle folgende Aufzeichnung: Johann Braren hat auf einer Karte als Standort der alten Kapelle die Ecke westlich von dem bis zum Midlumer „Butdörpsweg" (L) verlängerten „Heerstig" und südlich vom „Butdörpsweg" angegeben. Nähere Einzelheiten gehen aus nachstehenden Angaben hervor: Es wird behauptet, daß das Holz der alten Kapelle nach deren Abbruch zum Bau von drei Häusern in Midlum (im Bereich „An de Marsch 17") verwendet worden ist. - Dem Haus von Grete Mommsen, - von Minna Nahmens und - von Julchen Mommsen. Diese Behauptung ist nicht unglaubwürdig, denn Ständer und Balken, sämtlich aus Eiche, haben für einfache Bauernhäuser einen ungewöhnlich großen Querschnitt. Das Haus soll einmal die Wohnung des Priesters gewesen sein. Im Jahre 1888 erbte dieses Haus J. Braren, der es später an den Dänen Mads Petersen verkaufte; es ging dann in den Besitz von Mathias Mommsen über, der Vater von Grete Mommsen gewesen ist. Diese zog später nach Wyk und verkaufte den Besitz an ihren Nachbarn Knudt Knudtzen. In Unkenntnis der wertvollen und historischen Bausubstanz wurde das Haus am 05.04.1957 abgerissen. In den beiden anderen Häusern beträgt der Abstand der Querbalken ebenfalls einfach ein Fach zu rund 1,80 m, die Längsbalken liegen im Haus Nr. 2 nur 6 m, in Haus Nr. 3 6,40 in auseinander. Abschließend zu diesen drei Häusern sei bemerkt, daß Ständer, Balken und Sparren viel sorgfältiger bearbeitet wurden. So ergeben sich drei Möglichkeiten:
- Die Holzteile stammen von einem schmäleren Anbau der Kapelle.
- Die Holzteile sind vor Wiederverwendung mit besseren Werkzeugen und nach genaueren Maßen aus dem Holz der alten Kapelle herausgearbeitet worden, oder
- das Holz der beiden Häuser stammt überhaupt nicht von der Kapelle.
In Midlum bestand die Meinung, daß die Kapelle mit einem Kloster verbunden war. Wie lang das Gesamtgebäude ursprünglich gewesen ist und ob seine Längsachse von Westen nach Osten oder von Norden nach Süden gezeigt hat, erhoffte man sich von künftigen Ausgrabungen, zu denen es aber nicht gekommen ist. Von den Holzteilen dieses Hauses sind noch ein Querbalken, eine Dachsparre sowie Stücke von einem Längsbalken und von einem Ständer übriggeblieben, aus denen sich die Hauptmaße der alten Kapelle ermitteln ließen. Der durch Beilhiebe an beiden Enden der Dachneigung entsprechend abgeschrägte, 7,7 m lange, 30 cm breite und 28 cm hohe Querbalken ruhte auf 24 cm breiten und 28 cm hohen Längsbalken, die wiederum von 22 x 22 cm starken Ständern getragen wurden, welche mit einer Zunge von 22 x 6 cm Querschnitt durch eine entsprechende Aussparung des Längsbalkens hindurch und mit einem Zapfen in eine 6 x 6 x 6 cm Aushöhlung des Balkens hineinragten. Föhr wird erstmals urkundlich im sogenannten „Erbbuch" von König Waldemar II. erwähnt (dieses wurde während der Jahre 1231 bis 1259 geschrieben) und war in zwei Harden geteilt, nämlich dem „Vesterhereth" (Westerharde) und dem „Hosterhereth" (Osterharde oder Osterland Föhr). Osterharde gehörte ohne Unterbrechung zum Herzogtum Schleswig; die Westerharde seit 1400 bis 1864 zum Dänischen Reichsgebiet. Die. Siegel dieser beiden Harden finden sich noch auf Altbriefen bis in das Jahr 1850. Auf einer gleichzeitig angelegten Landkarte verlief die Hardengrenze quer durch Föhr, wobei der nördliche Teil zur Westerharde gehörte (die Grenze verlief durch Nieblum); Amrum gehörte ebenfalls zur Westerharde - Föhr. Damals konnte man allerdings noch nicht von einer Insel sprechen. Erst durch die späteren Sturmfluten und Landabbrüche entstand die Insel. Es soll damals zwei Hauptwege auf Föhr gegeben haben, die sog. Salzstraßen, auf denen das begehrte Salz nach dem Norden und andere Waren nach dem Süden transportiert wurden. Die eine Straße führte über Ripe-Utersum-Borgs-um, die andere über Tondern-Oldsum. Midlum lag als namenlose Siedlung in der Mitte zwischen den beiden Wegen und erhielt 1462 den Namen „Middelum" = Mittlere Stätte oder Mittlere Heimstadt.
1462
Aus folgenden, im Schloß Gottorf gefundenen Dokumenten „Liber censualis
episcopi Slesvicensis" und „Historisches Ortsnamen-Lexikon von
Schleswig-Holstein" geht die Namensgebung von Middelum auf das Jahr 1462
(gemeinsam mit Boldixum und Alkersum) zurück und kann daher als das Jahr der
Gründung für Midlum historisch genannt werden. In diesem Jahre zahlten 12 Föhringer Dorfschaften Landgeld an das
Bistum Schleswig, darunter auch Midlum.
1464
Aus dem „Hölzernen Register", einem Verzeichnis des Kirchenvermögens der
drei Föhrer Kirchen, geht hervor, daß die Kirche „St. Johannis" auch
Kirchenland im Gemeindebezirk Midlum besitzt.
1492
Der Deich wurde vollendet; es sollen etwa 22 km Sommerdeich gewesen sein, jedoch
teilweise nur bis zur Höhe von 1,5 m; daher werden auch in Zukunft Deichbrüche
und Überschwemmungen möglich.
1500
Über die nächsten 100 Jahre ist von der Gemeinde nichts aktenkundiges hinterlassen
worden. Der größte Verlust an Aufzeichnungen und Niederschriften, die im
Kirchenarchiv aufbewahrt wurden und die für die Chronik der Gemeinde von
Bedeutung gewesen wären, ist durch den Brand der Kirche St. Johannis im Jahre
1598 entstanden.
1600
Magister Otto Richardi (Ocke Rörden), Sohn des Schmackschiffers Rörd Arfsten in
Midlum, wird Pastor zu St. Johannis. Er stirbt 1603 im Alter von 35 Jahren,
wird nicht auf dem Friedhof, sondern vor dem Altar von St. Johannis beigesetzt.
1610
Zum Midlumer Deichbau wurde erstmals eine Schubkarre verwendet; vorher kannte
man diese nicht.
1634
In der großen Flut vom 11. Oktober ging der größte Teil von Nordstrand und den
Halligen unter. Nur 3000 von 10 000 Menschen konnten ihr Leben retten. Viele
Überlebende flohen auf die sicheren Geesthöhen von Föhr (auch nach Midlum), wo
keine Menschenleben zu beklagen waren.
1654
zählte man in Midlum 110 Kühe, 48 Ochsen, 98 Stück Jungvieh und 401 Schafe
(einschl. Lämmer).
1672
Die Gemeinden Midlum, Oevenum und Alkersum vereinigen sich zum Aufbau eines
gemeinschaftlichen Schulhauses in der Nähe der Alkersumer Mühle. Zum
Schulhalter wurde vom Visitatorium in Tondern der Organist Hans Christian
Garrnow eingesetzt.
1706
Wyk erhält die Fleckengerechtsame mit einem eigenen Gerichtsvogt. Die Geschichte
Midlums ist eng mit der von Wyk verbunden. Man hielt es für die beste Lösung,
die alten Dörfer in Osterland Föhr von Wyk zu trennen, da der Gegensatz
zwischen ihnen immer stärker wurde. Das geschah durch die Herzogin Hedwig
Sophie und Herzog Christian August;
am 15.04.1706 erhielt
Wyk die Fleckengerechtigkeit und
am 05.12.1710 das Marktrecht verliehen. Der Warenumschlag erfolgte in dieser
Zeit auf der vertieften Wasserlösung in Midlum. Er ist letztmalig 1707 erwähnt.
Danach hat die Binnenschiffahrt nach Midlum wegen Verschlickung nachgelassen
und 1711 vollkommen aufgehört. Der Midlumer Hafen war dort, wo später der Weg
vom Bauernhof Cornelius Arfsten in Midlum in die Marsch führte (Richtung
Aussiedlungshof 9). Die Lagerhalle stand etwa da, wo das am 06.02.1972
abgebrannte Wohn- und Wirtschaftsgebäude von C. Arfsten stand.
1717
In der Nacht von Heiligabend zum ersten
Weihnachtstag erfolgte eine heftige Sturmflut. Der Osterland Föhrer Deich wurde
an vier Stellen beschädigt und das Wasser stieg vier Ellen über die Landfläche
und drang in mehrere Wohnungen ein.
1723
Midlum trennt sich von der Gemeinschaftsschule; der Unterricht wird zunächst
in einem Privathaus erteilt. Wyk wird in diesem Jahr die Fährgerechtigkeit erteilt; jedoch nur mit
Segelschiffen.
1750
Midlum erhält die erste Schule. Das Dorf Midlum hat 86 Wohnungen
1766
Die Midlumer Vogelkoje wird am späteren Ackerum Hof angelegt. Hierfür war eine
königliche bzw. staatliche Konzession erforderlich; die Vogelkoje wird auf
Partnerschaft betrieben.
1767
Bei einem Schiffsunglück vor Helgoland, das Schiff befand sich auf der Reise
von Amsterdam nach Föhr, ertranken 56 Personen, davon drei aus Midlum, sechs
aus Oevenum und neun aus Alkersum.
1768
Am 22. April verstarb im Alter von 12 Jahren Andreas Paven, Sohn des Kapitäns
Boh Knut Paven, dessen Schiff im Jahre 1767 vor Helgoland untergegangen war.
Laut Kirchenbuch soll die 15jährige Jung Ehlen Jacobs aus Midlum, die sehr
boshaft gewesen sein soll, den Knaben entsetzlich geprügelt und anschließend an
einer Hausmauer mit einem Strick erdrosselt haben. Man vermutet einen Racheakt
der Minderjährigen, für den beim Untergang des Schiffes von Paven ertrunkenen
Vater. Drei Chirurgen, ein Rathmann und ein Arzt sollen zur Feststellung der
Todesfolge hinzugezogen worden sein.
1769
Die erste Volkszählung erfolgt auf Föhr und wird sehr genau durchgeführt. Es
wird neben dem Namen und Vornamen auch der Beruf angegeben bzw. Ehefrau, dann
Sonstiges (verheiratet/unverheiratet) und das Lebensalter. Zu jener Zeit bekam die Ehefrau nach ihrer Verheiratung den Vornamen des
Ehemannes als Familiennamen, in dem diesem ein „s" oder „sen" oder
„n" angehängt wurde. Die Ehefrau von Boh Peters mit Namen Marret hieß
danach Marret Bohn. Die Kinder tragen dann auch den Namen Bohn. Oder: Danklef
Knudten ... die Ehefrau Krassen heißt dann nach der Heirat Krassen Danklefs.
Manche Bürger waren mit der Namensgebung nicht einverstanden. Werner Heinz
berichtet über den aus Husum stammenden Midlumer Einwohner Joachim von Hagen.
Pastor Jürgen Hinrichsen hat dessen Kinder auf den Namen .Joachims" taufen
wollen; damit war der Vater jedoch nicht einverstanden, sondern wünschte, sie
sollten seinen Stammnahmen haben. Der Pastor gab nach, schrieb aber nicht „von
Hagen" sondern „Vonhagen". Eine der Töchter, steht im Standesregister
als eine Geborene „Vonhagen". Die Dorfbevölkerung setzte sich in dieser
Zeit zu 42 % aus Personen unter 21 Jahren, zu 47 % zwischen 22 und 60 Jahren
und zu 11 % über 60 Jahren zusammen. 11 % waren in der Landwirtschaft tätig,
12,5 % fuhren zur See, außerdem gab es 5 Tagelöhner, 4 Handwerker und 1 Chirurg,
7 % der Dorfbewohner waren Witwen, deren Männer auf See geblieben waren. Im
Dorf bestehen 84 Wohnungen.
1777
Die Seefahrer Paul Boyen aus Midlum und Hans Knudtsen aus Wyk fuhren mit
Commandeur Volkert Jensen von Amsterdam nach Grönland; das Schiff war im Eis
festgesessen; sie gingen zu Fuß landeinwärts und wurden von Hunger und Kälte
aufgerieben.
1778
Georg Philip Hassold, geb. 1747, kommt nach Midlum; er war in voller Uniform
desertiert und kam über Holland (wo er der Navigation kundig wurde) nach Föhr.
Im Jahre 1781 heiratete er Kerrin Martinen aus Midlum. Er wurde später
Schiffscommandeur und bereiste als solcher Afrika und Südamerika. Danach
bestellte man ihn zum Rathmann und Deichvogt in Midlum. Er stirbt 1835 im Alter
von 87 Jahren. Durch ihn kommt der Name Hassold auf die Insel; da es kein
Föhrer Name war, wurden seine Nachkommen nicht wie üblich nach dem Vornamen des
Vaters benannt, sondern behielten den Namen Hassold.
1792
Erneut Deichbrüche und Überschwemmungen in der Marsch.
1800
Am 19. May wird Tücke Simons aus Midlum zum Rechensmann bestellt.
1802
In der Nacht vom 28. zum 29. September wütet ein Großfeuer in Midlum, wobei 7
Wohnhäuser, Ställe und Scheunen vernichtet wurden. Es betrifft die Häuser: Nr.
37, Nr. 40, Nr. 41, Nr. 44, Nr. 50, Nr. 48, Nr. 49. Zum Jahresende zählte man
in Midlum nur noch 53 Wohnungen.
1809
In Midlum sind 72 Schüler.
1824
In einem Schreiben an den Land- und Gerichtsvogt zu Osterland Föhr beklagen
sich der Bauernvogt und Rathmann Tücke Simons Groot und 8 Bauern aus Midlum
darüber, daß Oevenumer Bauern auf dem Midlumfeld einen „ungehörigen und
schrägen Fußsteig anlegten" (zwischen Baasenhoog und Kabelackerum),
wodurch die Geestfrüchte Schaden erlitten und zur Winterzeit das Wasser nicht
ablaufen kann.
1825
In der Nacht vom 3. zum 4. Februar brach der Deich an mehreren Stellen; 4000
Schafe ertranken, davon allein 253 von Midlumer Schafhaltern. Die Flut erreichte
eine Höhe von 4 Meter über Normal (siehe auch Häuserinformation zu Bi de Krog
10"). Zwischen Goting und Nieblum trennte die Flut die Insel in zwei
Teile; mehr als 20 Häuser stürzten ein. Über die im Zuge dieser Deichbrüche
aufgetretenen Schäden wird unter dem 9.3.1825 eine ausführliche Liste aufgestellt,
welche die Repräsentanten in Midlum auf Osterland Föhr (Philip Hassold, Knud
Erken, Tycke S. Groot und N. Volkerts) unterzeichneten. Diese Aufstellung
findet sich im Landesarchiv Schloß Gottorf, Schleswig.
1827
Das Midlumer Schulhaus (erbaut 1750) wird umgebaut und zum Viereck mit einem
speziellen Vorraum, in welchem die Kinder ihre Kopfbedeckung aufhängen konnten.
1835
Die Häuserzahl in Midlum beträgt 53!
1836
Wilhelm Hinrich Jenßen, 25 Jahre alt, empfing am 23. März, drei Monate nach
seiner Heirat, bei einer Brautfahrt durch Unvorsichtigkeit eines Midlumer Jünglings
eine Schußwunde am Kinn woraufhin er verstarb. Am 18. May traf ein Flügel der
Alkersumer Mühle ein siebenjähriges Mädchen. Ihr Tod erfolgte wenige Stunden
später.
1857
Am 5. Februar erteilt das ,Amthaus Tonder" dem Brautpaar Andreas Gerrits
in Wrixum und Maria Christine Jürgens aus Midlum die Genehmigung sich im Hause
durch die Hand eines Priesters trauen zu lassen (Haustrauung!).
1860
Es findet eine Volkszählung statt, an welcher 306 Personen in Midlum gezählt
werden. Das durchschnittliche Lebensalter betrug 44 Jahre. 26 % arbeiten in
der Landwirtschaft, 7 % fahren zur See, 14 % Tagelöhner, 3,5 % Handwerker sowie
ein Kroger, ein Handelsmann, ein Lehrer und Organist und „der Rest Witwen und
Kinder"
1864
Am 18. July wurde die Insel Föhr durch die 6. Companie des Kaiserl. Königl.
Oesterreichischem 9. Feldjäger - Batallions und den Oesterreichischen Kriegsschiffen
„Wall", „Seehund" und „Elisabeth" und das Preuß. Kanonenboot
,ßlitz" von der Dänen-Herrschaft befreit.
1880
Am 31. May fand das Richtfest für das neues Schulgebäude in Midlum statt. Die
Einwohnerzahl in Midlum beträgt 270 Personen; 64 Häuser. An Deichlasten sind jährlich 16,- Mark je Hektar zu zahlen. Es wird
bezahlt für einen 3jährigen Ochsen 240 bis 300 Mark, eine gute Milchkuh kostet
ebensoviel, ein gutes Schaf kostet 40,- Mark, 1 Zentner Gerste 14,-, 1 Zentner
Hafer 8,-, 1 Zentner Kartoffeln 9,-.
1882
Um in Zukunft eine organisierte Brandbekämpfung durchführen zu können, wird am
7. Januar die „Freiwillige Feuerwehr Midlum" gegründet; in einigen anderen
Föhrer Ortschaften bestehen bereits freiwillige Feuerwehren.
1888
In Midlum wird eine Meierei gebaut, an welche auch die Landwirte aus den benachbarten
Dörfern die Milch anliefern.
1896
An Wochentagen verkehrt zwischen Oldsum und Wyk über Midlum eine Pferdekutsche
genannt „Hoffmanns Omnibus". Das Gefährt kann 10-12 Personen aufnehmen.
Haltestelle in Midlum ist „Gasthof Boysen". Auf der Fahrt nach Wyk bekommt
der Kutscher während des Aufenthaltes eine Tasse Kaffee, auf der Rückfahrt 1
Glas Grog.
1909
Midlum hat 61 Haushaltungen; in 35 wird friesisch, in 25 plattdeutsch und in
einem hochdeutsch gesprochen.
1924
Nachdem bereits in mehreren Inseldörfern Jugendfeuerwehren bestehen, wird
heute, am 10. Januar, auch in Midlum eine Jugendfeuerwehr gegründet.
1925
Am 5. Januar, abends 10 Uhr Feueralarm; es brennen Wirtschaftsgebäude und
Stallung von Ackerum-Hof; das Wohnhaus wurde gerettet. Brandursache unbekannt. Am 6. Januar beantragt die Feuerwehr die Anschaffung von 5
Feuerhörnern, die in der Gemeinde zu verteilen sind. In diesem Jahre werden keine Kinder eingeschult; die Schülerzahl
beträgt nur noch 39. 16. Juni; nach der heutigen Volkszählung hat Midlum 292 Einwohner.
1926
Eben vor Jahresschluß wurde unser Dorf (zusammen mit Alkersum und Oevenum) mit
einer freudigen Errungenschaft bekannt gemacht: Elektrisches Licht Für das Ortsnetz mußte die Gemeinde eine Schuldenlast von Reichsmark
10.000.- tragen.
1928
Der Kapitän Jan Arndt Hinrichsen aus Midlum wollte seiner Gemeinde für das
Schulhaus eine neue Glocke schenken; leider ging das Schiff, auf dem sich auch
die Glocke befand, in schwerem Sturm vor der holl. Küste mit der gesamten Besatzung
unter. Hinrichsen wollte zum Frühjahr 1929 von der Seefahrt Abschied nehmen.
1947
Am 14. Februar durchbrechen Hermann Nissen und Simon Jacobsen den Eisgürtel,
der die Insel umschließt. Bereits 1813/14 fuhr man bis März mit Pferd und Wagen
von Föhr nach Südwesthöm.
1959
Beginn der Flurbereinigung in Midlum am 20. Januar.
1960
Am 15. Februar bekommt Midlum neue Straßenbeleuchtung und zwar 11 Lampen,
davon 4 an der Hauptstraße. Preis DM 4.500,00
1968
In Midlum zählt man 75 Haushaltungen (die gleiche Anzahl wie 1889); in 18
spricht man friesisch, in 34 plattdeutsch und in 9 mehrsprachig!
1976
3. Januar. Seit den frühen Morgenstunden tobt ein Orkan aus Nordwest! Um 10
Uhr Sirenenalarm, da die Gefahr eines Deichbruches besteht.
7. Januar. Ab heute die erste Müllabfuhr in Midlum; jeder Haushalt
erhält 25 Plastiksäcke pro Jahr, zum Preise von DM 50.-. Bisher konnten die
Midlumer ihren Müll kostenlos zur Alkersumer Müllkuhle bringen, da die Kuhle
auf Midlumer Grund lag. Am 23. März wurde die im Jahre 1750 erbaute erste eigenständige Schule
abgerissen.
Dieser Text stellt lediglich einen Auszug aus der Chronik
der Gemeinde Midlum, Unser Dorf, dar.
Copyright Gemeinde Midlum Wer Interesse hat, mehr über Midlum zu
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wenden, Telefon 04681 - 501386.